Das Bild zeigt einen Führerstand einer Lok, symbolisch für: PZB-Zugarten O, M und U erklärt Warum nicht jeder Zug gleich überwacht wird

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2. Oktober 2026

PZB-Zugarten O, M und U erklärt: Warum nicht jeder Zug gleich überwacht wird

Wer sich intensiver mit dem Bahnbetrieb beschäftigt, begegnet früher oder später den drei Buchstaben O, M und U. Sie stehen für die drei Zugarten der Punktförmigen Zugbeeinflussung, kurz PZB. Doch warum braucht ein Sicherungssystem überhaupt verschiedene Zugarten?

Der Grund liegt im Bremsverhalten. Ein kurzer Zug mit hoher Bremsleistung kann Geschwindigkeit deutlich schneller abbauen als ein schwerer Güterzug mit geringerem Bremsvermögen. Würde die PZB beide Züge exakt gleich überwachen, könnte sie deren unterschiedliche physikalische Eigenschaften nicht ausreichend berücksichtigen.

Deshalb arbeitet die PZB mit drei verschiedenen Überwachungsprogrammen: der oberen Zugart O, der mittleren Zugart M und der unteren Zugart U.

Was bedeuten die PZB-Zugarten O, M und U?

Die Buchstaben stehen für obere, mittlere und untere Zugart. Jede dieser PZB-Zugarten besitzt eigene Überwachungsgeschwindigkeiten und Überwachungskurven.

Wichtig ist dabei eine häufige Fehlannahme: O, M und U unterscheiden nicht grundsätzlich zwischen Personen- und Güterzügen. Ein Personenzug fährt also nicht automatisch in O und ein Güterzug nicht automatisch in M oder U.

Entscheidend ist vor allem das tatsächliche Bremsvermögen des konkret gebildeten Zuges. Genau deshalb kann ein Güterzug je nach Bremsdaten unterschiedlich eingestuft werden.

Die aktuell gültige allgemeine PZB-Einstelltabelle der DB InfraGO ordnet Züge in Bremsstellung R oder P anhand der vorhandenen Bremshundertstel den drei Zugarten zu.

Bremshundertstel entscheiden mit über die Zugart

Eine der wichtigsten Größen für die Einstufung sind die Bremshundertstel, kurz Brh.

Sie setzen das vorhandene Bremsgewicht eines Zuges ins Verhältnis zu seiner Masse. Dadurch lässt sich das Bremsvermögen unterschiedlich schwerer Züge miteinander vergleichen.

Vereinfacht gesagt gilt: Je höher die vorhandenen Bremshundertstel, desto größer ist das Bremsvermögen des Zuges im Verhältnis zu seinem Gewicht.

Nach der allgemeinen PZB-Einstelltabelle gelten bei Bremsstellung R oder P folgende Bereiche: Bis 65 Bremshundertstel wird Zugart U verwendet. Bei 66 bis 110 Bremshundertsteln gilt Zugart M. Ab 111 Bremshundertsteln wird Zugart O verwendet.

Eine Besonderheit gibt es bei der Bremsstellung G. Hier wird nach dieser Einstelltabelle unabhängig von den vorhandenen Bremshundertsteln die PZB-Zugart U verwendet. Gerade im Güterverkehr ist die Bremsstellung G relevant, weil sich die Bremsen langsamer anlegen und lösen. Dadurch können hohe Längskräfte innerhalb langer Zugverbände reduziert werden.

Warum besitzt jede PZB-Zugart andere Geschwindigkeiten?

Die drei Zugarten unterscheiden sich bereits bei der Geschwindigkeitsüberwachung während einer unbeeinflussten Fahrt.

Für Zugart O überwacht die PZB einen Geschwindigkeitshöchstwert von 165 km/h. Bei Zugart M sind es 125 km/h, bei Zugart U 105 km/h.

Diese Werte bedeuten allerdings nicht, dass jeder entsprechend eingestellte Zug tatsächlich so schnell fahren darf.

Ist beispielsweise die zulässige Geschwindigkeit des Fahrzeugs, des gesamten Zuges oder der befahrenen Strecke niedriger, bleibt natürlich der niedrigere Wert maßgebend. Die PZB-Zugart bildet lediglich einen zusätzlichen technischen Überwachungsrahmen.

Besonders interessant werden die Unterschiede, sobald eine PZB-Beeinflussung stattfindet.

Was passiert bei einer 1000-Hz-Beeinflussung?

Ein 1000-Hz-Gleismagnet wird typischerweise wirksam, wenn der Triebfahrzeugführer auf eine bevorstehende Einschränkung reagieren muss. Das kann zum Beispiel bei einer entsprechenden Vorsignalisierung der Fall sein.

Nach einer 1000-Hz-Beeinflussung hat der Triebfahrzeugführer vier Sekunden Zeit, seine Wachsamkeit zu bestätigen. Erfolgt das nicht rechtzeitig, löst die PZB eine Zwangsbremsung aus.

Nach der Bestätigung beginnt die eigentliche Geschwindigkeitsüberwachung. Und genau hier zeigen sich die Unterschiede zwischen O, M und U sehr deutlich.

In Zugart O wird die Überwachung innerhalb von 23 Sekunden von 165 auf 85 km/h abgesenkt. In Zugart M erfolgt innerhalb von 29 Sekunden eine Absenkung von 125 auf 70 km/h. In Zugart U sinkt die Überwachung innerhalb von 38 Sekunden von 105 auf 55 km/h.

Das Prinzip dahinter ist logisch: Ein Zug mit geringerem Bremsvermögen erhält mehr Zeit für den Geschwindigkeitsabbau. Gleichzeitig muss er anschließend eine niedrigere Geschwindigkeit erreicht haben.

Die unterschiedlichen Überwachungskurven passen die PZB somit an das reale Bremsvermögen des Zuges an.

Noch strenger: die 500-Hz-Überwachung

Nähert sich ein Zug weiter einem kritischen Bereich, kann zusätzlich eine 500-Hz-Beeinflussung erfolgen. Ein entsprechender Gleismagnet befindet sich typischerweise näher vor einem Hauptsignal.

Hier muss die Geschwindigkeit bereits deutlich reduziert sein.

Innerhalb der ersten 153 Meter nach einer 500-Hz-Beeinflussung senkt sich die Überwachung in Zugart O von 65 auf 45 km/h, in Zugart M von 50 auf 35 km/h und in Zugart U von 40 auf 25 km/h ab.

Anschließend werden diese niedrigeren Geschwindigkeiten bis 250 Meter nach der Beeinflussung weiter überwacht. Wird die jeweilige Überwachungsgeschwindigkeit überschritten, leitet die PZB eine Zwangsbremsung bis zum Stillstand ein.

Gerade dieser Bereich verdeutlicht, dass die Zugart nicht nur eine theoretische Einstellung im Führerstand ist. Sie beeinflusst ganz konkret, welche Geschwindigkeit die PZB an bestimmten Stellen akzeptiert.

Warum Güterzüge häufig in M oder U unterwegs sind

Im Güterverkehr spielen die unterschiedlichen PZB-Zugarten eine besonders große Rolle.

Güterzüge können mehrere hundert Meter lang sein und eine sehr hohe Gesamtmasse erreichen. Gleichzeitig besteht ein Zug häufig aus Wagen verschiedener Bauarten, Beladungszustände und Bremssysteme.

Ein schwerer Güterzug verhält sich beim Bremsen deshalb anders als ein leichter, kurzer Zug mit hoher Bremsleistung.

Aus diesem Grund sind bei Güterzügen die PZB-Zugarten M und U häufig anzutreffen. Eine feste Zuordnung gibt es jedoch nicht.

„Güterzug gleich Zugart U“ wäre fachlich falsch.

Entscheidend sind die tatsächlichen Zugdaten, insbesondere Bremsstellung und Bremshundertstel. Erreicht ein entsprechend gebildeter Zug die notwendigen Werte, kann auch ein Güterzug einer höheren PZB-Zugart zugeordnet werden. Ebenso ist die obere Zugart O nicht ausschließlich Personenzügen vorbehalten.

Warum drei Überwachungsprogramme mehr Sicherheit schaffen

Die PZB soll unter anderem verhindern, dass sich ein Zug einem kritischen Punkt mit einer zu hohen Geschwindigkeit nähert. Dazu muss das System berücksichtigen, dass Züge sehr unterschiedlich bremsen.

Würde für jeden Zug dieselbe Überwachungskurve gelten, wäre sie entweder für Züge mit geringem Bremsvermögen ungeeignet oder würde Züge mit hoher Bremsleistung unnötig stark einschränken.

O, M und U lösen genau dieses Problem.

Die drei PZB-Zugarten sorgen dafür, dass das Sicherungssystem seine Geschwindigkeitsüberwachung an die Bremsfähigkeit des jeweiligen Zuges anpasst. Das Sicherheitsniveau wird dadurch nicht reduziert. Stattdessen wird berücksichtigt, dass ein schwerer Güterzug physikalisch andere Voraussetzungen besitzt als ein Zug mit deutlich höherem Bremsvermögen.

Fazit: Nicht der Zugtyp entscheidet, sondern sein Bremsvermögen

Die PZB-Zugarten O, M und U zeigen eindrucksvoll, wie eng Fahrzeugtechnik, Fahrdynamik und betriebliche Sicherheit miteinander verbunden sind.

O steht für die obere, M für die mittlere und U für die untere Zugart. Entscheidend für die Einstufung sind insbesondere die Bremsstellung und die vorhandenen Bremshundertstel.

Damit erklärt sich auch, warum zwei Züge auf derselben Strecke unterschiedlich überwacht werden können. Nicht die Bezeichnung Personen- oder Güterzug entscheidet darüber, sondern die tatsächlichen Eigenschaften des jeweiligen Zuges.

Gerade im Güterverkehr ist das ein wichtiger Unterschied. Denn bei mehreren hundert Metern Zuglänge und hoher Masse müssen Bremsverhalten und Überwachung exakt zusammenpassen.

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FAQ

O steht für obere, M für mittlere und U für untere Zugart. Die drei Zugarten sind unterschiedliche Überwachungsprogramme der Punktförmigen Zugbeeinflussung und berücksichtigen das jeweilige Bremsvermögen eines Zuges.

Entscheidend sind vor allem die vorhandenen Bremshundertstel und die Bremsstellung. Je höher das Bremsvermögen eines Zuges, desto eher kann er einer höheren PZB-Zugart zugeordnet werden.

Bremshundertstel beschreiben das Verhältnis von Bremsgewicht zur Gesamtmasse des Zuges. Sie machen das Bremsvermögen verschiedener Züge vergleichbar und sind eine wichtige Grundlage für die Einordnung in die PZB-Zugarten O, M oder U.

Güterzüge sind oft schwerer, länger und hinsichtlich ihrer Bremsausrüstung unterschiedlich zusammengesetzt. Dadurch erreichen sie häufig geringere Bremshundertstel als leichte Züge mit hoher Bremsleistung und werden entsprechend öfter in M oder U eingestuft.

Nach einer 1000-Hz-Beeinflussung muss der Triebfahrzeugführer die Wachsamkeit bestätigen und die Geschwindigkeit reduzieren. Die PZB überwacht anschließend abhängig von der eingestellten Zugart, ob der Zug schnell genug abbremst.

Die 1000-Hz-Überwachung beginnt typischerweise früher und fordert einen ersten deutlichen Geschwindigkeitsabbau. Die 500-Hz-Überwachung liegt näher vor einem kritischen Punkt und überwacht deutlich niedrigere Geschwindigkeiten.

Häufig gestellte Fragen

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